Beratende Kommission NS-Raubgut

Die Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz war ein unabhängiges Gremium, das in strittigen Fällen über die Rückgabe von NS-Raubgut seit ihrer Gründung im Jahr 2003 tätig wurde. Mit ihren 26 Empfehlungen in zumeist komplexen Fällen hat die Beratende Kommission NS-Raubgut stets große Beachtung, neben Zustimmung teilweise auch Kritik erfahren. Die Empfehlungen wurden in der Fachliteratur im In- und Ausland seit Jahren rezipiert und spielten für die Entscheidungsfindung von Museen und ihren öffentlichen Trägern eine wichtige Rolle. Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände setzten mit der Gründung der Beratenden Kommission NS-Raubgut die in Punkt 11 der Washingtoner Prinzipien vorgesehene Einrichtung alternativer Mechanismen zur Klärung strittiger Eigentumsfragen um.

Die Beratende Kommission NS-Raubgut konnte sowohl vonseiten der Opfer des NS-Kulturgutraubes, wie auch von den Kulturgut bewahrenden Einrichtungen angerufen werden. Die recht geringe Fallzahl gründet vor allem darauf, dass ein Verfahren nur dann geführt werden konnte, wenn beide Seiten ihr Einverständnis dazu erteilt hatten. In einer Vielzahl von Fällen haben die Institutionen aber einem Verfahren nicht zugestimmt. 

Die Beratende Kommission NS-Raubgut bestand aus bis zu zehn unabhängigen Mitgliedern. Es handelte sich um Persönlichkeiten mit ausgewiesener Expertise auf juristischem, ethischem, historischem oder kulturellem Gebiet. Die Mitglieder bekleideten aktiv kein politisches Amt und übten ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Die Berufung erfolgte durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Einvernehmen mit der Kulturministerkonferenz der Länder sowie den kommunalen Spitzenverbänden.

Im Falle ihrer Anrufung prüfte die Beratende Kommission NS-Raubgut die historischen und rechtlichen Umstände des Verlustes. Sie gab basierend auf den Wertungen der „Handreichung zur Umsetzung der ‚Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz‘ von Dezember 1999“(„Handreichung“), sowie auf moralisch-ethischen Erwägungen eine Empfehlung ab. In rund der Hälfte der Fälle empfahl die Kommission eine Rückgabe, in anderen Fällen empfahl sie den Verbleib des Kulturguts in der Institution und in einigen Fällen eine partielle Entschädigung. Die Empfehlungen waren weder bindend, noch vollstreckbar, wurden aber ausnahmslos umgesetzt. 

Im Jahr 2023 anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens hat die Beratende Kommission NS-Raubgut ein Memorandum herausgegeben, in dem sie angesichts der Bedeutung der Wiedergutmachung staatlichen Unrechts ein Restitutionsgesetz forderte. Die Beratende Kommission NS-Raubgut verfügte über eine eigene Geschäftsstelle mit Sitz in Berlin, die organisatorisch dem Vorsitz der Beratenden Kommission NS-Raubgut unterstellt war und die Arbeit der Kommission sowohl administrativ als auch inhaltlich unterstützte.

Die Beratende Kommission NS-Raubgut hat ihre Arbeit zum 30. November 2025 eingestellt.

Empfehlungen der Beratenden Kommission NS-Raubgut:

18.11.2025 Dr. and Mrs. Max Stern Foundation ./. Landschaftsverband Rheinland und Erben nach Hugo Heinemann ./. Landschaftsverband Rheinland

30.10.2024 Erben nach George Grosz ./. Freie Hansestadt Bremen

29.02.2024 Erben nach Max und Martha Liebermann ./. Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

13.06.2023 Erben nach Hedwig Lewenstein Weyermann und Irma Lewenstein Klein ./. Bayerische Landesbank

22.07.2021 Erben nach Robert Graetz ./. Stiftung Stadtmuseum Berlin

18.03.2021 Erben nach Kurt und Else Grawi ./. Landeshauptstadt Düsseldorf

08.02.2021 Erben nach Heinrich Rieger ./. Stadt Köln

02.02.2021 Erben nach Max Fischer ./. Land Baden-Württemberg

01.07.2020 Erben nach A. B. ./. Bayerische Staatsgemälde­sammlungen

19.08.2019 Dr. and Mrs. Max Stern Foundation ./. Bayerische Staatsgemälde­sammlungen

26.03.2019 Erben nach Max J. Emden ./. Bundesrepublik Deutschland

10.01.2017 Erben nach Max und Margarethe Rüdenberg ./. Landeshauptstadt Hannover

07.12.2016 Erben nach Felix Hildesheimer ./. Franz Hofmann und Sophie Hagemann Stiftung

29.04.2016 Erben nach Alfred Salomon ./. Stadt Gelsenkirchen

21.03.2016 Erben nach Alfred Flechtheim ./. Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

30.11.2015 Erben nach Ludwig Traube ./. Landeshauptstadt Düsseldorf

03.02.2015 Erben nach George E. Behrens ./. Landeshauptstadt Düsseldorf

21.08.2014 Erben nach Clara Levy ./. Bayerische Staatsgemäldesammlungen

20.03.2014 Erben des "Welfenschatz"-Konsortiums ./. Stiftung Preußischer Kulturbesitz

09.04.2013 Erben nach Alfred Flechtheim ./. Stadt Köln

28.03.2013 Erben nach Paul Westheim ./. Stadt Neuss

18.11.2011 Erben nach Robert Graetz ./. Land Berlin

27.01.2009 Erben nach Alexander Lewin ./. Bundesrepublik Deutschland

12.06.2008 Erben nach Laura Baumann ./. Land Hessen

25.01.2007 Erben nach Hans Sachs ./. Deutsches Historisches Museum

12.01.2005 Erben nach Julius und Clara Freund ./. Bundesrepublik Deutschland

Pressemitteilungen der Beratenden Kommission NS-Raubgut:

18.11.2025 Dr. and Mrs. Max Stern Foundation ./. Landschaftsverband Rheinland und Erben nach Hugo Heinemann ./. Landschaftsverband Rheinland

10.10.2025 Erben nach Robert Graetz ./. Freie und Hansestadt Hamburg

05.02.2025 Erwiderung auf die Pressemitteilung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum Welfenschatz

30.10.2024 Erben nach George Grosz ./. Freie Hansestadt Bremen

29.02.2024 Erben nach Max und Martha Liebermann ./. Kulturstiftung Sachen Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

14.09.2023 Festakt zum 20-jährigen Bestehen im Jüdischen Museum Berlin

04.09.2023 Memorandum

13.06.2023 Erben nach Hedwig Lewenstein Weyermann und Irma Lewenstein Klein ./. Bayerische Landesbank

03.12.2021 Ergänzender Beschluss in der Sache Erben nach Felix Hildesheimer ./. Hagemann Stiftung

22.07.2021 Erben nach Robert Graetz ./. Stiftung Stadtmuseum Berlin

30.04.2021 Beschluss des Stadtrats der Landeshauptstadt Düsseldorf zu Franz Marcs "Füchse"

26.03.2021 Erben nach Kurt und Else Grawi ./. Landeshauptstadt Düsseldorf

08.02.2021 Erben nach Heinrich Rieger ./. Stadt Köln

02.02.2021 Erben nach Max Fischer ./. Land Baden-Württemberg

18.01.2021 Erben nach Felix Hildesheimer ./. Hagemann Stiftung

01.08.2018 Neuberufung dreier Mitglieder in die Beratende Kommission NS-Raubgut

20.11.2017 Neuer Vorsitz der Beratenden Kommission NS-Raubgut

10.11.2016 Weiterentwicklung der Beratenden Kommission NS-Raubgut

25.02.2016 Er­ben­ nach Alfred Flecht­heim ./. Kunst­samm­lung Nord­rhein-West­fa­len